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Shoppen unterm Holz-Himmel - Europas größte Holzbaustelle

Europas größte Holzbaustelle braucht 8000 m³ BSP. Das größte je in Brettsperrholz ausgeschriebene Projekt ist ein Shoppingcenter im Norden Wiens. 23.000 t CO2 werden durch die Holzbauweise eingespart. Die sichtbare Oberfläche macht das Einkaufszentrum zur Wohlfühloase. Hier ist es also: Das oft geforderte Leuchtturmprojekt für den Holzbau. Es handelt sich um ein Shoppingcenter mit einem 7 ha großen Holzdach. Auf mächtigen Leimbindern ruhen Abertausende Quadratmeter Brettsperrholz-Platten. Den Großteil davon liefert Mayr-Melnhof Kaufmann aus dem steirischen Gaishorn. http://www.g3-shopping.at/

Im Dezember wurde der Auftrag vergeben, der den steirischen Leimholzspezialisten eine Grundauslastung im kompletten I. Quartal bescherte. Bis Juli werden die Holzbauarbeiten abgeschlossen sein. Eröffnet wird das Shoppingcenter kommendes Jahr. Wie edel das Einkaufseldorado einmal aussehen wird, lässt sich erst erahnen. Der Baustoff Holz wird omnipräsent sein. Doch nicht nur die warme Shoppingatmosphäre ist für den Bauträger Ekazent, Wien, wichtig. Durch den Baustoff Holz wurden 23.000 t CO2 eingespart. Erstmals wird damit ein Einkaufszentrum ohne Treibhausgas-Rucksack in Österreich errichtet.

Kolonnenverkehr von Gaishorn nach Wien

Auf leisen Pfoten hat sich dieses Megaprojekt angeschlichen. Als der Holzkurier im Januar davon berichtete, waren die Aufträge schon unter Dach und Fach. Generalunternehmer ist die in Großprojekten erfahrene Leyrer und Graf, Gmünd. Die Holzbauarbeiten übernimmt deren Tochter Graf Holztechnik, Horn. Dank ihrer Expertise wurde das G3-Shoppingcenter von Beginn an als Holzbau ausgeschrieben. 11.500 m³ Leimholz werden in der Dachkonstruktion verbaut. Diese Rekordmenge für ein Projekt in Österreich kommt komplett aus dem Inland. Die größte Menge stammt von Mayr-Melnhof Kaufmann aus dem steirischen Gaishorn. „Zwischen drei und sieben Lkw bringen jeden Tag unsere M1 BSP Crossplanplatten nach Gerasdorf“, beschreibt DI Bernd Troppmann. Der Verantwortliche für internationales Produktmanagment und Pre-Sales bei Mayr-Melnhof Kaufmann, Bernd Troppmann, freut sich über den größten Auftrag für das Brettsperrholz-Werk in Gaishorn.
Bei so einer riesigen Holzmenge zahlt es sich aus, sich über die Optimierungen Gedanken zu machen. Für jedes einzelne Element wurde die notwendige Dicke berechnet. „Alles ist so schlank wie möglich dimensioniert – genau richtig für den jeweiligen Lastabtrag“, schildert Troppmann. Die Tragweiten reichen bis 8 m und werden von drei- oder fünfschichtigen Platten überspannt. Die stärkeren Dimenstionen sind aufgrund der strengen Brandschutzbestimmungen nötig.
Die Platten und Binder schweben auf 710 Betonpfeilern weit über den Köpfen der Besucher. Daher wurde „Industriequalität geschliffen“ als idealer Kompromiss zwischen Kosten und Optik gefunden. Unzählige sichtbare Äste beweisen: Hier wurde Holz verbaut, das sich seiner Herkunft nicht schämt.

Holzbau läuft ohne Probleme

Das Kommando über die Holzbauarbeiten hat Ing. Erich Rohrmüller. Der Bauleiter von Graf Holztechnik wirkt bei der Holzkurier-Reportage entspannt. „Die Arbeiten laufen problemlos“, kommentiert er das emsige Treiben seiner 49 Mitarbeiter, der vier Autokräne und der zahlreichen Hebebühnen. Die steife Brise macht ebenfalls keine Probleme: „Die BSP-Platten werden flach nach oben gehoben. Dadurch haben sie kaum eine Angriffsfläche. Leimbinder sind da empfindlicher“, erklärt er.
Während das Dach auf der einen Seite der Baustelle schon kurz vor der Fertigstellung steht, warten auf der anderen Seite die kahlen Betonstützen auf die geschwungenen Leimbinder. Dort,wo die BSP-Platten fertig verlegt sind, schwärmt der Dachdeckertrupp aus. Direkt auf die M1 BSP Crossplanplatten von Mayr-Melnhof Kaufmann wird eine Dampfsperre angebracht. Dann folgt – dem Energiesparkonzept entsprechend – eine 16 cm dicke Dämmschicht. Abgeschlossen wird mit einer wasserdichten Folie.
Während des Holzkurier-Lokalaugenscheins werden die praktischen Vorteile der Massivholzbauweise offensichtlich. Einfach das Element vom Lkw auf das Dach heben – festschrauben – fertig. Die Oberfläche ist sofort begehbar und die Dachdecker arbeiten in der Sonne viel lieber auf einem Holzdach, als sich auf einer Metall-Konstruktion braten zu lassen. Ein weiterer Vorteil ist die leichte Bearbeitbarkeit. So werden die 2 mal 4 m großen Lichtdurchlässe erst auf der Baustelle ausgeschnitten. „Dazu brauchen wir nur eine Handkreissäge“, bestätigt einer der Arbeiter.

Abbund schon in der Fertigung

Alle Abbundarbeiten werden schon von den Zulieferern erledigt. Das bedeutet, dass bei den meisten Elementen ein umlaufender Stufenfalz und exakte Schrägschnitte angebracht werden. Anders als in den meisten Wohn- und Industriebauten, gibt es beim Wohlfühl-Shoppingcenter kaum gerade Achsen. In der Gaishorner-Produktion ist noch vor dem Legen der ersten Plattenschicht klar, wo das Element am Shoppingcenter-Dach platziert wird. Das ist wichtig, damit die Platten in der richtigen Reihenfolge fertiggestellt werden und die Lkw optimal beladen sind, denn auf der Mega-Baustelle ist kein Platz für ein großes Holzlager. Alle Elemente werden Just-in-Time angeliefert.

Auftrag zum perfekten Zeitpunkt

Der Winter ist jene Zeit mit der schwächsten Auslastung der BSP-Hersteller. Da kam der Riesenauftrag gerade recht, der in den ersten drei Monaten für eine Grundauslastung der BSP-Linie sorgte. Zahlreiche andere Aufträge werden simultan abgearbeitet, betont Troppmann. „Alle unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass sie bei uns verlässlich versorgt werden, auch wenn ein Großprojekt ansteht.“ Bereits seit Beginn des Jahres wird in Gaishorn dreischichtig gearbeitet. Seit mehr als einem Monat werden in Gaishorn auch samstags die M1 BSP Crossplanplatten produziert.
Für den Rohbau des Shoppingcenters sind über 30 Mio. € veranschlagt. Und die angepeilten 200 Shops werden beim Einzug nochmal ordentlich Geld in die Hand nehmen, um beim modernsten Einkaufszentrum Österreichs nicht neben der beeindruckenden Holzarchitektur zu verblassen. Dort warten weitere große Inneneinrichtungsaufträge für Österreichs Holzbranche. Die kommenden eineinhalb Monate wird aber noch fleißig am konstruktiven Holzbau gearbeitet, bevor die Arbeiter von Graf Holztechnik wieder abziehen.

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(c) G3 Shopping Resort Gerasdorf

Quelle: Timber Online, http://www.timber-online.net/index.php?id=2500,4974904 (zuletzt: 07.06.2011)