Das EU-Projekt IN2WOOD, gefördert durch das 7. Forschungsrahmenprogramm zur Vernetzung von Holz- und Forstregionen in Europa läuft - nach einer Laufzeit von 2 ½ Jahren - Ende Juni 2012 aus.
Von 3. – 4. Mai 2012 fand in der Hohen Tatra in der Slowakei die Abschlusskonferenz der Projekt- und Mentoringpartner statt, um über den aktuellen Stand der laufenden Kooperationen und Pilotprojekte zu berichten.

Die Herausforderungen einer nachhaltigen europäischen Waldbewirtschaftung mit dem Ziel durch systematischen Technologie- und Wissenstransfer den Rohstoff „Holz" zu einer der wichtigsten erneuerbaren Ressourcen zu positionieren und die Wertschöpfung aus Wald hinsichtlich Ökonomie, Innovation und Lebensqualität zu verbessern, war das Hauptaufgabengebiet des Projektes.
Forstcluster aus sechs europäischen Waldregionen - Steiermark (Österreich), Nordrhein-Westfalen (Deutschland), Südtirol (Italien), Graubünden (Schweiz), Banska Bystrica (Slowakei) und Karpaten (Ukraine) - hatten sich hierfür zusammengeschlossen, um einen gemeinschaftlichen Aktionsplan zur zukünftigen Koordinierung und Stärkung der komplementären F & E Potenziale auszuarbeiten.
Basierend auf einer Stärken - Schwächen Analyse jeder Region wurden regionale Strategien abgeleitet und ein länderübergreifender Aktionsplan (JAP) erstellt. Dieser befasst sich gezielt mit Entwicklungstrends und zukünftigen Herausforderungen des Holz- und Forstbereichs und ebnet den Weg für die Einführung mehrerer Pilotkonzepte in den jeweiligen Regionen.
Die aktuellen Pilotprojekte:
Pilotkonzept: Tatort Industriebrache – Rekultivierung und Wiederaufforstung
Kohleabbauflächen ohne besondere Vegetation – dieses Bild zeigt sich in den riesigen Braunkohleabbaugebieten in Kolubara und Kostolac in Serbien und auch in den vielen ehemaligen Steinkohlezechen in Nordrhein-Westfalen. In einem gemeinsamen Projekt mit Serbien und NRW wurden diese Flächen sowohl für die Biomassenutzung als auch als Erholungsgebiet rekultiviert. Minenbetreiber, Energieerzeuger, Staatsforste und Forschungseinrichtungen diskutierten vor Ort über eine ökologisch und ökonomisch sinnvoll Rekultivierung der belasteten Bodenflächen und entwickelten schließlich gemeinsam einen Umsetzungsplan zur Aufforstung. Eine wesentliche Stütze des Projekts ist das steirische Unternehmen LIECO, das innovative Ballenpflanzen für die Aufforstung bereitstellt hat und auch das notwendige Wissen einbringt. Im Frühjahr 2012 wurden zeitgleich unter medialer Begleitung die ersten Flächen in NRW und Serbien bepflanzt und mit den Aufforstungsversuchen auf den Industriebrachen begonnen. Ein Augenmerk wird in Zukunft vor allem auf das Wachstumsverhalten der Pflanzen gelegt, da die Aufforstungsflächen verschiedenen geografischen Lagen und unterschiedlichen Bodenschaffungen aufweisen.
Pilotkonzept: Bauen & Wohnen mit Holz im urbanen Raum
Unter diesem Thema präsentierte das IN2WOOD Konsortium auf Einladung des NRW-Klima-schutzministers die bestehenden Holzkompetenz-zentren und Clusterorganisationen aus Graubünden, Südtirol, Steiermark, Nordrhein-Westfalen und der westlichen Ukraine im Jänner 2012 auf der DEUBAU in Essen. Ziel des Messeauftritts auf der zweit-größten Baumesse Deutschlands war Bewusstsein für Baustoff Holz zu kreieren und gleichzeitig zu zeigen, dass bereits eine kritische Masse an Holzbau Know-how in einer Reihe von europäischen Ländern und Regionen existiert.
Pilotkonzept: Strategic Biomass Network
Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung zu einer nachhaltigen europäischen Gesellschaft wird in der Zukunft die Ressource „Holz" sein. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Holzver-brauch zukünftig das Holzangebot übersteigen wird. Doch wie können wir diese Herausforderung lösen? Im September 2011 hat das IN2WOOD Konsortium einen interdisziplinären Workshop zu dieser Thematik mit 14 Experten aus 9 Ländern organisiert. Als Ergebnis des Workshops wurde eine Initiative beschlossen, die auf eine Sicherstellung der nachhaltigen Holzversorgung für jetzige und zukünftige Generationen abzielt. In einem zweiten Workshop in Belgrad im März 2012 wurde als erster Schritt ein standardisierter Fragebogen erarbeitet, der die derzeitigen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Holznutzung und Holzmobilisierung in den beteiligten Regionen und Ländern darstellen soll. Die Implementierung des Fragebogens erfolgt ab April 2012. Die gewonnenen Daten sollen sowohl als Grundlage für einen gesellschaftlichen Diskurs als auch für die Entwicklung von Regionen übergreifenden strategischen Projekten dienen.
Pilotkonzept: Urlaubsdestination Forst!
Tourismus in Forstregionen stellt ein weitgehend unterbe-wertetes Potential für nachhaltige Regionalentwicklung dar. IN2WOOD hat deshalb zu einem transregionalen Dialog zur Verknüpfung von Ökotourismus, Forst-wirtschaft und Regionalmarketing. angeregt: als heraus-ragendes Beispiel einer gelungenen regionalen Um-setzung wurde das Konzept „Rothaarsteig", eines durch Ranger der NRW Forstverwaltung unterstützten Fernwanderwegs im Sauerland/ Rothaargebirge, in Transkarpatien (Ukraine) vorgestellt, wo ähnliche Ansätze zum Ökotourismus existieren. Erfahrungen mit multi-funktionalem Forstmanagement unter Berücksichtigung eines touristischen Angebots sowie der Kommunikation zwischen Förstern und touristischen Leistungsanbietern wurden intensiv diskutiert. In der gemeinsamen Strategie-entwicklung werden folgende Aspekte berücksichtigt:
• Ökotourismus und Umwelterziehung sind wichtige Kanäle zur Vermittlung der Bedeutung von nachhaltiger Forstwirtschaft
• Abgestimmte Initiativen zur Nutzung von forstlichen Nebenprodukten und des Erholungsraums „Wald" stärken das internationale Marketing von Forstregionen als Tourismusdestinationen
• Transregionaler Wissensaustausch nutzt Synergien und vorhandene „Best Practice" Beispiele und hilft den beteiligten Regionen ihre Potentiale besser auszuschöpfen
• Übertragung und Ausstrahlung der entwickelten Konzepte der beteiligten Partner Nordrhein-Westfalen und Transkarpatien auf interessierte Forstregionen erzeugt weitere Impulse und breiteres Interesse an forstbasiertem Tourismus und Outdoor-Aktivitäten
Pilotkonzept: Biomasselogistik quo vadis?
In Europa gibt es große Unterschiede in den forstwirtschaftlichen Strukturen und daraus folgend auch in der Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung von Holzbiomasse. Ausgehend vom steigenden Bedarf für Biomasse arbeitete das IN2WOOD Konsortium an einem Pilotprojekt in Form eines Projektantrags zur Verbesserung von Prozessen und Technologien in der forstlichen Logistikkette zur besseren Nutzung vorhandener Biomassepotentiale. Der Projektantrag „Sustainable Networks for the efficient use of lignocellulosic biomass" sieht einen verstärkten Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, die Entwicklung neuer Prozesse zur Vor-, Weiter- und Nachbehandlung von Biomasse, sowie innovative Distributionsnetzwerke zur Verbesserung der Versorgungssicherheit von Klein- und Großabnehmern vor.
Neben dem Projektantrag zur Biomasselogistik wurden noch Anträge zum Thema Innovation (Konkrete Umsetzung von Forschungsergebnissen zu Produkten bzw. Dienstleistungen) und zum Thema Produkte aus Harthölzern.
Der Holzcluster Steiermark konnte sich durch die Leadpartnerschaft im Projekt IN2WOOD als kompetenter Abwickler internationaler Projekte positionieren und sich und die Projektpartner mit Ihren Anliegen auf europäischer Bühne präsentieren. Der steirische Hholzcluster konnte durch das Projekt ein großes Netzwerk vor allem im südosteuropäischen Raum schaffen und in der Westukraine die Einrichtung eines Holzbau- und Möbelcluster mitaufbauen.
in den zweieinhalb Jahren Projektdauer war IN2WOOD auf der Internationalen Holzmesse Klagenfurt 2010, auf der Ligna 2011 und auf der Deubau 2012 vertreten und präsentierte vor großem Publikum seine Projekte.
Des Weiteren konnte der Holzcluster Steiermark ein vertiefendes Verhältnis zu Nordrhein Westfalen aufbauen. Der Klima- und Umweltschutzminister von NRW, Johannes Remmel, besuchte im August 2011 die Steiermark, um sich unter anderem über das steirisches Holznetzwerk zu informieren. Bei einer Gegeneinladung des Ministers auf der Deubau 2012 hatte der Holzcluster Steiermark nochmals die Gelegenheit sich einem hochkarätigen Fachpublikum durch einen Vortrag die Stärken der steirischen Holz- und Forstwirtschaft zu präsentieren.
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