Projekt SYS-Holz abgeschlossen
Ergebnis: Leistungsverzeichnis Holzbau (LGv 40)
Der Prozess der Planung, Ausschreibung und Abrechnung im mehrgeschossigen Holzwohnbau und konstruktiven Holzbau ist wegen fehlender oder unterschiedlicher technischer und wirtschaftlicher Planungsgrundlagen nicht wirklich geregelt. Die daraus resultierende Variantenvielfalt führt zu großen technischen und kalkulatorischen Bandbreiten in der Planung, Ausschreibung und Abrechnung. Das bedeutet: Holz ist alternativen Material- und Bauformen wirtschaftlich immer wieder unterlegen. Erste Schritte in Richtung Standardisierung im Holzbau schafft das kürzlich abgeschlossene Projekt „Sysholz" – hier die Projektergebnisse im Überblick:
Die Ausgangssituation
Wie bereits erwähnt, gibt es im Holzbau keine standardisierten Ausschreibungen (Ausnahme: LG 36 für traditionelle Zimmermannsarbeiten wie Dachstühle etc. – neue Holzwerkstoffe und konstruktive Elemente wie Wand und Decke - finden hier aber keine Berücksichtigung).
Die Folgen
Ausschreibungs-Verantwortliche müssen die Ausschreibungstexte bei jedem Holzbau mühsam erstellen, dazu kommt, dass immer wieder das Wissen rund um die Besonderheiten dieser Bauart fehlt. Um diesen Prozess zu erleichtern, schreiben die zuständigen Personen oft nur „Bauwerke" ohne detailliertere Angaben aus – mit der Auswirkung, dass sie von den anbietenden Holzbaubetrieben völlig unterschiedliche Preise und Leistungen für die Umsetzung des Baus erhalten, die in dieser Form nicht vergleichbar
sind. Ein möglicher Grund dafür, dass sich viele Architekten und Planer davor scheuen, Holzbauten umzusetzen! Zusätzlich ist der Mehraufwand der Holzbaubetriebe für die Erstellung der Angebote aufgrund fehlender Standards enorm
Die Vorteile
Architekten, Planern und Wohnbauträgern wird dadurch die Arbeit wesentlich erleichtert – die Texte sollen in weiterer Folge auch in einem LB-H-Status (Leistungsbeschreibung Hochbau) verankert werden. Erste Gespräche dazu sind bereits im Laufen. Weiters sind die Angebote der anbietenden Betriebe ohne großen Aufwand vergleichbar. Aber auch der Holzbaubetrieb spart Zeit und damit Geld: Er muss in Zukunft nur mehr vorgefertigte Texte ausfüllen – diese Leistungstexte sind sogar in jedem in Österreich gängigen Ausschreibungsprogramm abrufbar. Dazu kann der Auftragsbearbeiter in Zukunft gleich die Kalkulation hinterlegen.
Auswirkungen
Bisher haben viele Architekten und Planer den Baustoff Holz aufgrund des enormen Mehraufwandes bei der Ausschreibung und der nicht vorhandenen Vergleichbarkeit verweigert. Mit diesem Tool ist diese Hürde überwunden – dem Baustoff Holz steht nichts mehr im Wege. Man kann davon ausgehen, dass sich diese Erleichterung in Zukunft auf jeden Fall positiv auf den Holzbauanteil auswirken wird!
Nächste Schritte
Basierend auf Expertenmeinungen ist angedacht, die derzeit bestehenden Projektergebnisse von Sysholz (Leistungsverzeichnis und Grundlage Kalkulationsschemata) in Form eines stärker IT-basierten Datenbanksystems in Richtung Ökologisierung und Preisberechnung/-findung zu verfeinern und im Zuge eines neuen Projektes zu verwirklichen.
Stimmen zum neuen Leistungsverzeichnis
Axel Kos, Nussmüller Architekten ZT GmbH:
"Dank dem neuen Leistungskatalog gibt es erstmals im Bereich Holzbau ein vornormiertes Werkzeug für Ausschreiber, das, zusätzlich zur derzeitigen Zimmermeister-LB-H, innovative Holzkonstruktionen umfasst. Bisher gibt es auch kaum Vorbemerkungen, die Ausschreiber mussten alles selber formulieren, es gibt wenig an vornormierten Konstruktionen. Der Vorteil ist, dass sich, sobald der Leistungskatalog im LBH verankert ist, alle daran halten müssen. Ich bin nicht wirklich davon überzeugt, dass das neue Leistungsverzeichnis dazu beiträgt, den Holzbauanteil zu erhöhen – natürlich haben einige Ausschreiber zur Zeit „Angst" davor, umfangreiche Holzbauausschreibungen selber zu formulieren. Notwendig ist aus meiner Sicht auf jeden Fall ein intensives Lobbying bei den verantwortlichen Gremien, um den neuen Leistungskatalog so rasch als möglich im LB-H zu fixieren, anschließend müssen die zukünftigen Nutzer von diesem Schritt informiert werden. Weiters gilt es, das Leistungsverzeichnis laufend weiterzuentwickeln und den Marktgegebenheiten anzupassen, ähnlich wie es zum Beispiel im Bereich Trockenbau in den letzten 30 Jahren geschehen ist."
DI Reinhold Steinmaurer, GF Verein Holzbau Austria
"Den großen Vorteil des neuen Leistungskataloges sehe ich darin, dass Architekten jetzt einfach und unkompliziert mehrgeschossige Holzbauten ausschreiben können. Das Leistungsspektrum ist klar definiert, was auch für den anbietenden Betrieb eine große Erleichterung bedeutet. Wichtig ist auch das Gesamtelement-Denken – dataholz.com hat hier viel Vorarbeit geleistet. Kurz gesagt: Es gilt, mit „Paketen" klare Vorgaben zu geben. Mögliche nächste Schritte wären aus meiner Sicht auf jeden Fall das im Text angesprochene IT basierte Kalkulationssystem mit Standard- und Musterkalkulationen. Natürlich muss jeder weiterhin selber kalkulieren und für seinen Betrieb das Beste herausholen – Ziel ist aber, grundsätzlich mehr Klarheit und Einfachheit in die Kalkulationsschemen zu bringen. Notwendig wären auch Informations- und Schulungsveranstaltungen für Ausschreiber, sprich Architekten und Planer, in denen die neuen Tools vorgestellt werden. Bei diesen Seminaren könnte man anhand von Musterausschreibungen und -kalkulationen aufzeigen, wie einfach ab sofort die Ausschreibungen im mehrgeschossigen Holzbau umsetzbar sind. Mit diesem Gesamtpaket sehe ich enorme Chancen, dass sich der Holzbau noch besser am Markt etabliert, weil die Ausschreibenden als auch die Anbieter die Scheu verlieren und den natürlichen, gesunden Baustoff in Zukunft verstärkt einsetzen."
Johann Saurer, Leiter Holzbau bei KULMER Holz-Leimbau GmbH
"Meiner Meinung nach hat ein einheitliches Leistungsverzeichnis große Vorteile für Holzbaubetriebe – Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der über das Projekt SYSHolz erstellte Leistungskatalog rasch in die LB-H aufgenommen wird. Wichtig ist, den Architekten ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem sie rasch und einfach ihre Ausschreibungen erstellen können. Damit ist auch die Vergleichbarkeit der Angebote gesichert, was natürlich auch uns als Holzbaubetrieb zugute kommt. Einer der wesentlichsten nächsten Schritte wäre aus meiner Sicht, wie bereits erwähnt, die Aufnahme des Leistungskataloges in die LB-H und die anschließende intensive Bewerbung bei den relevanten Zielgruppen – sprich bei Architekten und allen weiteren ausschreibenden Personen."
Karl Schafferer, GF Holzbau Schafferer
"Vorteil des erstellten Leistungskataloges ist auf jeden Fall, dass auch die neuen Materialien am Holzbausektor Berücksichtigung finden. Zur Zeit ist der Katalog jedoch noch sehr umfangreich, eine Straffung ist daher meiner Meinung nach sicher noch anzudenken. Ein weiterer Schritt wäre aus meiner Sicht, Architekten und Planern im Rahmen des Leistungskataloges beispielhaft einige Muster Wandaufbauten ähnlich der Dataholz-Plattform als Orientierung vorzugeben. Notwendig sind sicher auch Schulungen und Informationsveranstaltungen, um die ausschreibenden Betriebe und Personen vom neuen Leistungskatalog zu überzeugen. Den geplanten Einsatz eines Kalkulationssystems halte ich persönlich für etwas schwierig, da viele Holzbaubetriebe ihre eigenen Kalkulationssysteme haben – weiters ändern sich permanent die Preise für die eingesetzten Materialien."
Partner:
| LP | Holzcluster Steiermark GmbH | Transfereinrichtung für die Holzwirtschaft |
| KP | proHolz Tirol, vertreten durch Holzcluster Tirol | Transfereinrichtung für die Holzwirtschaft |
| KP | Univ. Innsbruck, Holzbaulehrstuhl Tirol | Wissenschaft, Forschungsst. Holzbau |
| KP | Nussmüller Architekten ZT GmbH | Architekturbüro |
| KP | Ecowall Projektentwicklungs GmbH | Technisches Büro |
| KP | Schafferer Holzbau GmbH | KMU-Holzbauunternehmen |
| KP | Vinzenz Harrer GmbH | KMU-Zulieferer für Holzbaubetriebe |
| KP | Mag. Kollar GmbH | Transfereinrichtungen, Wirtschaftskompetenz |
| AP | ecoplus GmbH, vertreten durch bau.energie.umwelt Cluster NÖ | Transfereinr. für Bau-, Energie- und Umwelttechnologie |
| WP | Scheff GmbH | Wirtschafts- und Methodenkompetenz |
| WP | Technikum Kärnten Forschungs-Gesellschaft m.b.H. der FH Kärnten | Wissensch. Forschungsst. Holzbau |
| IP | 3 wissenschaftliche und wirtschaftliche Partner in Südtirol | Förderantrag in Südtirol + EUREKA Kosten nicht im COIN Antrag enthalten. |
Sie können das Leistungsverzeichnis unter folgender E-Mail-Adresse bestellen:
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