Die Twin Transition verändert, wie Unternehmen Wert schöpfen und Ressourcen nutzen. Für KMU eröffnen sich dadurch reale Chancen – die Frage ist längst nicht mehr, ob man diesen Weg geht, sondern wie. Genau darum drehte sich der Transformation Business Talk, den der Holzcluster Steiermark in Kooperation mit dem ACstyria Mobilitätscluster, Human.technology Styria, dem Green Tech Valley und dem SILICON ALPS Cluster ausrichtete. Die Veranstaltung wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Spitzen!Leistung: niederschwelliger Einstieg
Zum Auftakt stellten die Clusterorganisationen die Förderaktion Spitzen!Leistung vor. Gefördert werden externe Beratungsdienstleistungen für Produktionsbetriebe und unternehmensnahe Dienstleister mit Projektstandort in der Steiermark – in den Feldern Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Twin Transition. Bei 75 Prozent Förderung und einem maximalen Projektvolumen von rund 50.000 Euro verbleibt ein Selbstbehalt von 25 Prozent. Die gesamte Abwicklung – von Erstgespräch und Assessment über den Aktionsplan bis zum Förderantrag und der Beratung – übernimmt der Cluster.
Alexander Linhardt: Prävention statt Löscharbeit
Alexander Linhardt eröffnete den inhaltlichen Teil mit einem einprägsamen Bild: die Absurdität der Prävention. Ein Feuerwehrmann wirft brennendes Geld ins lodernde Haus, während der Feuerlöscher mit der Aufschrift „Prävention“ ungenutzt danebensteht. Vorsorge wirkt – wird aber selten belohnt. Ebenso pointiert die Lücke zwischen Attitude und Behaviour: Der Wille zum Wandel ist ein brüllender Löwe, das tatsächliche Verhalten oft eine schlafende Katze. Sein Fazit: Die Twin Transition ist kein Sprint, sondern ein Ultramarathon.
Simon Rauscher (aitark): Von Pflichtdaten zu besseren Produkten
Simon Rauscher von aitark zeigte, wie aus regulatorischer Pflicht ein Vorteil wird. Auf Unternehmen rollt eine Reihe von Anforderungen zu – von EUDR, CBAM und PPWR über ESPR und den Digitalen Produktpass (DPP) bis zu CSRD/VSME und CSDDD. Nicht jede Regulierung trifft jedes KMU direkt, doch Datenanforderungen kommen zunehmend über Kunden, Banken und Lieferketten. Sein Kernargument: Strategische Entscheidungen brauchen Daten – und wer eine gemeinsame Produkt- und Lifecycle-Datenbasis einmal aufbaut, kann sie mehrfach nutzen. Ändert sich eine Anforderung, übernimmt die KI den angepassten Output. So wird aus Pflichtdaten der Weg zu besseren Produkten.
Joachim Reitbauer: Roadmap to Zero aus der Praxis
Joachim Reitbauer brachte die Perspektive aus der konkreten Umsetzung ein. Sein 4-Säulen-Modell denkt Transformation ganzheitlich: von der Reduktion der CO₂- und weiteren THG-Emissionen über die betriebswirtschaftliche Darstellung (Opex und Capex) und die verfahrenstechnischen Rahmenbedingungen bis zu den menschlichen Hemmschwellen und der Veränderungsresistenz. Denn entscheidend bleibt: Wie nehmen wir die Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit? Anhand der Nachhaltigkeitsregulatorik – etwa EPBD und den OIB-Richtlinien 6 und 7 – und dem LCA-Ökobilanzmodell zeigte er, wie sich Betroffenheit in eine Roadmap übersetzen lässt. Sein Praxisbeispiel: eine „Roadmap to Zero“ für die Transportlogistik, die die schrittweise Umstellung auf HVO und den Wechsel von LKW auf Bahn modelliert – samt CO₂-Reduktion und begleitendem Kostenindex.
Start Walking
Die gemeinsame Botschaft des Vormittags: Transformation gelingt nicht durch immer neue Strategiepapiere, sondern durch den ersten konkreten Schritt. Weniger reden, mehr tun – und den Weg als das begreifen, was er ist: eine Langstrecke, die man am besten heute beginnt. Beim anschließenden Netzwerken blieb Raum für gute Kontakte und neue Ideen.


